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Geologische Exkursion am 25.10.2021

Die erste Exkursion des diesjährigen Geologie-Kurses der Q12 begann mitten in Fürth. Dort gingen wir dem Sandstein auf die Spur, aus dem ein Großteil der teils fast 200 Jahre alten Gebäude der Fürther Innenstadt gebaut worden ist. Sandstein ist ein grobkörniges, meist recht festes Sedimentgestein, dessen Entstehung vor etwa 235 Millionen Jahren begann. exkursion zmr geologie

Doch wie kam die Bevölkerung in Fürth an diesen Stein?

Nichts wie hin zum zweiten Standort unserer Exkursion! Im nahegelegenen Fürther Stadtwald gab es früher nämlich einige Steinbrüche, deren Überreste wir genauer untersuchten. Steil aufragende Felswände, eine Schmiede und ein Werkzeuglager der in den 1930er Jahren stillgelegten Sandsteinbrüche sind hier zu finden. Hier kann man sich die harte und gefährliche Arbeit der Steinhauer, Steinbrecher und Steinmetze gut vorstellen.


Wie kam der Sandstein überhaupt an Ort und Stelle?

Man geht davon aus, dass die Erde vor 250 Millionen Jahren noch völlig anders aussah: es gab einen Urkontinent namens „Pangäa“, in dem die heutigen Kontinente noch alle in einer riesigen Landmasse vereint waren. Umgeben war Pangäa von einem einzigen großen Urmeer, das man „Panthalassa“ nennt.

Unsere Gegend lag damals in etwa auf Höhe des nördlichen Wendekreises. Das Klima war heiß und trocken. In Ur-Mitteleuropa dehnte sich deshalb im „Germanischen Becken“ eine große Sandwüste aus. Flüsse transportierten Unmengen an Verwitterungsschutt aus den umgebenden Hochgebirgen der damaligen Zeit in die Senke. So haben sich über Jahrmillionen mächtige Schichten Sand und am Ende die dicken Sandsteinbänke in Mittelfranken gebildet.

Sandstein ist ein in unserer Gegend sehr wichtiges Baumaterial.

Da er nur von einer relativ dünnen Erdschicht bedeckt war, ließ er sich gut abbauen. Der Naturstein wurde schon bei den Römern und auch im Mittelalter für wichtige Bauten genutzt, mitunter aber auch einfach nur als „Stubensand“ zum Ausfegen der Häuser. Heute kennen wir die großen, teils aufwendig bemeißelten Sandsteinblöcke vor allem noch von alten Burgen und Stadtmauern, romanischen und gotischen Kirchen, Rathäusern oder Stadthäusern. Der besonders harte und robuste Burgsandstein, der auch für den Bau der Kaiserburg in Nürnberg abgebaut wurde, kommt übrigens aus den Steinbrüchen im Nürnberger Tiergarten, wo heute zum Beispiel die Raubtiergehege zu finden sind.

Wir sprechen das Gestein an!

Im praktischen Teil der Geländebegehung konnten wir das Gestein genauer analysieren (auf geologisch: „ansprechen“) und es gelang uns – nur mit Hilfe morscher Äste - ein Stück herauszubrechen. Wow - wir waren die ersten Menschen, die nach vielleicht 196 Millionen Jahren die frische Bruchkante zu Gesicht bekamen!

Ein geologisches Highlight zum Schluss!exkursion zmr geologie 2

Der letzte Teil der Exkursion führte uns zur „Banderbacher Verwerfung" in der Nähe von Zirndorf. Das ist eine ganz besondere Stelle, quasi eine vier Meter hohe Wand, an der man einen freien Blick auf die offenliegenden Gesteinsschichten aus der sog. „Keuperzeit“ (die war vor ca. 230 bis 200 Millionen Jahren) werfen kann, ohne dafür tief graben zu müssen. Von bis zu einem Meter dicken gelbbraunen Sandsteinschichten bis hin zu einem Zentimeter dünnen grauen Tonschichten kann man hier alles genau erkennen.

Wichtig zur Bestimmung des Gesteinsalters ist immer gut zu wissen, dass die unterste Schicht grundsätzlich die älteste ist und sich alle Schichten ursprünglich waagrecht abgelagert haben. Und dieses Schichtpaket wurde nun durch eine tektonische Verschiebung von Teilen der Erdkruste zwischen Ammerndorf und Cadolzburg zerrissen. Von oben rutschte roter Keuperton in die Störungszone.

Danke an Frau Zimmermann für diese interessante Exkursion, durch die das im Unterricht bereits erlernte Wissen über Gesteinsarten und Schichtenkunde (auf geologisch: „Stratigraphie“) direkt gut angewandt werden konnte.

Benjamin Vogler, Q12

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